| Kata Weltmeisterschaft 2011 |
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| Geschrieben von: Alex Dick |
| Mittwoch, 21. September 2011 um 12:39 |
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Die diesjährigen Kata-Weltmeisterschaften fanden von 14. – 15. Juni in Frankfurt/Main statt.
Die Teilnehmer verteilten sich folgendermaßen auf die einzelnen Kata: Nage no kata: 28 Katame no kata: 24 Kime no kata: 19 Ju no kata: 25 Kodokan goshin jutsu: 25
Die gezeigten Leistungen waren sehr heterogen: Neben wenigen absoluten Top-Leistungen gab es ein breit gestreutes Mittelfeld und auch eine große Zahl von Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit deutlichem Entwicklungsbedarf. Wie in den vergangenen Jahren räumte Japan wieder ab: die Goldmedaillen in jeder Kata gingen an die „Söhne und Töchter Nippons“ – zum Teil mit deutlichem Abstand. Hinter Japan präsentierte sich der IRAN ganz stark: mit 4 Silbermedaillen und 2 Bronzemedaillen waren die Iraner die zweitstärkste Nation. Diese Entwicklung hat sich schon bei der letzten WM in Budapest angekündigt und heuer noch verstärkt. Alle Iraner sind Militärangehörige und trainieren professionell. Weit abgeschlagen rangierten die sonst so erfolgsverwöhnten Italiener mit 1 Silber- und 1 Bronzemedaille. Auch Spanien und Rumänien mussten sich mit jeweils 1 Bronzemedaille zufrieden geben. Ohne Medaille blieben sowohl das Gastgeberland Deutschland, Frankreich, Südkorea und Belgien (jeweils ein 6. Platz); Portugal erreichte einen 5. Platz.
Österreich war mit dem Team Dietmar STAGGL und Lukas WILLE vom Judoclub Tiroler Oberland vertreten. Sie traten in Katame no kata an und lieferten eine wirklich gute Leistung ab. Sie haben sich seit der EM im November 2010 deutlich gesteigert (letzter Platz) und belegten hier bei der Weltmeisterschaften einen Platz im Mittelfeld (13. Platz von 24 Teilnehmern).
Portrait Lukas Wille: Lukas ist 30 Jahre alt, arbeitet als Polizist in Imst und ist zum 1. Dan graduiert. In seinem Verein ist er Kassier und judospezifischer Selbstverteidigungstrainer. Er hat mit 17 Jahren gleichzeitig mit einigen Freunden begonnen, Judo zu trainieren weil es ihn einfach interessiert hat. Lukas ist „polysportiv“: er betreibt neben Judo noch Klettern, Radfahren und geht auch gerne Schitouren.
Portrait Dietmar Staggl: Dietmar (3. Dan) ist ebenfalls 30 Jahre alt, er arbeitet als Holztechniker in der Produktionsvorbereitung. Er ist Trainer und sportlicher Leiter beim Judoclub Tiroler Oberland. Dietmar hat mit 6 Jahren mit Judo begonnen wegen seines Freundes Matthi Kadoff (Sänger bei CAMA), der nicht alleine zum Training gehen wollte. Judo gefällt ihm sowohl von der technischen Seite her als auch von der Tradition, er identifiziert sich mit diesem Sport, deswegen ist er auch schon so lange dabei. An Judo gefällt ihm weiters, dass es eine Kampfkunst ist, die zwar hart ist aber ohne beabsichtigte Verletzungen des Gegners praktiziert wird. Seine Trainer waren Franz Diriegel, Adelbert Flür und Horst Lehr Im Standkampf ist Harai goshi seine Lieblingstechnik, im Bodenkampf hat er sich auf Othen jime spezialisiert. Leider zwang ihn eine Verletzung, seine Laufbahn im Shiai zu beenden; da er dennoch weiterhin Wettkämpfe bestreiten möchte und zu Turnieren fahren möchte begann er Kata zu trainieren und Kata wettkampfmäßig zu betreiben. Der „Startschuss“ für seine Kata-Karriere begann mit der Vorbereitung auf die Prüfung zum 1. Dan; dann kam als erstes Turnier die Tiroler Kata Landesmeisterschaft und seither trainiert er regelmäßig Kata. Sein nächstes Ziel ist der 4. Dan – und dann will er weiter sehen, was noch kommen wird. Sein erstes Vorbild war Peter Seisenbacher; heute zieht er vor jedem den Hut, der regelmäßig und hart an sich arbeitet und trainiert. Dietmar sagt von sich, dass er viel Training und noch mehr neues Wissen, vor allem über die Katame no Kata braucht, um sich weiter entwickeln zu können (und einen Partner, der sich oft würgen lässt ! – na, mal schauen, was Lukas dazu sagt …). Dietmar meint, dass sich Judo schon auf seine Persönlichkeitsentwicklung ausgewirkt hat – aber er weiß nicht, wie er sich entwickelt hätte, hätte er kein Judo gemacht. Neben dem Judo ist Dietmar ein richtiger Bergfex: er steht auf alles, was mit Berg oder Fels zu tun hat: Klettern, Bergsteigen, Schitouren; auch Mountainbiken und alles, wo man sich sonst noch bewegen muss – auch Schach (da muss er wohl seine Synapsen und Neurotransmitter auf Trab bringen …). Er stellt fest: „Ohne meinen Partner Lukas gäbe es diese Erfolge für mich nicht, also Danke Luggi !“
Judges Am Tag vor der WM fand das vorbereitende Meeting der Judges statt. Dieses Meeting wurde von der IJF-Kata-Kommission geleitet. Die Kommission besteht aus folgenden Mitgliedern: Franco Capelletti (Vorsitzender, EJU-Vizepräsident; ITA) Im Meeting wurde auf einzelne wichtige Punkte hingewiesen, die bei der Bewertung der verschiedenen Kata zu berücksichtigen sind. Z.B. ist es bei Nage no kata wichtig, dass es in dieser Kata Tempo- und Rhythmuswechsel gibt, d.h. dass die ganze Kata nicht im gleichen Tempo demonstriert werden soll, dies gilt sowohl für einzelne Techniken als auch für den Wechsel von manchen Techniken zur anderen. Bei Katame no kata ist es besonders wichtig, dass Uke realistische Befreiungsversuche macht. Kime no kata ist gekennzeichnet durch die Entschlossenheit und Power (Kime), mit der die Techniken durchgeführt werden. Auch hier braucht es deutliche Angriffe durch Uke. Ju no kata ist ebenfalls eine Abfolge von Angriff und Verteidigung, deswegen sind auch hier Tempowechsel notwendig. Ju no kata darf zu keiner akrobatischen Übung oder Tanz ausarten sondern bleibt eben Angriff und Gegenattacke. Ju no kata darf nicht „abgehackt“ demonstriert werden sondern die Bewegungen folgen in einem Fluss aufeinander. Bei Kodokan goshin jutsu geht es einerseits um den Angriff aus der Bewegung, aus dem Aufeinander-zu-gehen und andererseits um die Wirksamkeit der Techniken. Die Judges kamen aus 18 Ländern. Mit dabei waren Heinrich ERLINGER und Franz EDLINGER aus Österreich; beide konnten sich im Kreise der Judges gut etablieren und brachten an den beiden Wettkampftagen sehr gute Leistungen als Judges. Heinrich ERLINGER wurde bei Nage no kata sowohl in der Vorrunde als auch im Finale als Judge eingesetzt. Franz EDLINGER kam bei Katame no kata und bei Kime no kata zum Einsatz. Auch die Judges stehen bei einem derartigen Bewerb unter Leistungsdruck: Es werden immer 5 Judges pro Matte eingeteilt; in die Wertung für die WM kommen nur 3 Judges: jene beiden Judges, die die niedrigste und die höchste Punkteanzahl vergeben haben, werden aus der Wertung gestrichen. Wenn nun ein Judge zu oft aus der Wertung fällt, wirkt sich das negativ auf seine eigene Bewertung aus und er wird bei weiteren Bewerben weniger oft eingesetzt werden.
Portrait Jean-Pierre Ryser Jean-Pierre (6. Dan) war lange Zeit der einzige Kata-Judge der Schweiz mit EJU-Lizenz (seit kurzem gibt es zwei weitere). Er ist außerdem der Verantwortliche des Schweizer Judoverbandes für Kata und Nationalcoach des Schweizer Kata-Teams..
Portrait Heinrich Erlinger Heinrich (7. Dan), ist 62 Jahre alt, Bautechniker in Pension; er lebt in Schalchen im Innviertel. Heinrich hat mit seiner Frau zwei Söhne, die ebenfalls erfolgreiche Judoka waren und sind. Heinrich betreibt seit 50 Jahren Judo, er begann als Schüler beim Verein Zollwache Braunau, wurde dann erfolgreicher Staatsligakämpfer mit seinem Verein. Seit 12 Jahren ist er Trainer bei Union Maria Schmolln, davor war er Trainer bei Mattighofen, Munderfing und Burgkirchen. Er steht mehrmals wöchentlich auf der Matte und springt auch immer wieder in der Kampfmannschaft seines Vereines ein. Im Laufe seiner Trainertätigkeit legte er die staatliche Trainerprüfung ab. Judoka aus seinen Vereinen errangen zahlreiche Landes- und Staatsmeistertitel; unter seinen Fittichen wurde eine Judoka sogar Vizeeuropameisterin. An Judo gefällt ihm einfach die Bewegung, dass man nie auslernt; für ihn ist es die Präzision der Technik die den Erfolg ausmacht - egal ob in Shiai oder Kata. Er hatte nie einen direkten Trainer, aber er hat sich immer selbst analysiert um seine Fehler zu finden, er hat jeden Kampf aufgeschrieben und ausgewertet (über 1000 Kämpfe). Seine Spezialtechnik war am Anfang der Seoi nage links und rechts, wegen Verletzungen in den Knien musste er sich umstellen und dann auf Beinfeger konzentrieren, mit denen er viele Kämpfe gewonnen hat. Durch seine Vielseitigkeit im Boden - speziell mit Würgern – hat er am Boden nur 10 oder 15 Kämpfe verloren. Er hat unter anderem Uki otoshi im Wettkampf geworfen - was ihm aus seiner Beschäftigung mit Kata zu Gute kam. Seine wichtigsten sportlichen Erfolge: Shiai: Für Kata hat er sich schon mit 25 Jahren interessiert da ihn die Perfektion faszinierte. Er hat seine sportlichen Ziele teilweise erreicht, er strebt aber weiterhin Perfektion an. Koga war für ihn in gewisser Weise ein Vorbild, die asiatische Art des Lebens und Denkens hat für ihn auch Vorbildcharakter. Heinrich möchte den Bereich Kata in Österreich weiter entwickeln, eine größere Verbreitung erzielen damit dann auch Spitzenleistungen daraus erwachsen können. Er ist sehr froh, dass seine Frau sehr viel Verständnis hat, dass er so viel Zeit für den Sport aufwendet. Neben Judo interessiert sich Heinrich noch für Klavier spielen, Modellbau und andere Sportarten (wenn noch Zeit bleibt …). Text: Franz Edlinger |



